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Der Verein ist ein unabhängiger gemeinnütziger Verein. Er hat das Ziel der Völkerverständigung, der Bildung und der Jugendhilfe, um insbesondere junge Menschen verschiedener Kulturkreise in Deutschland entsprechend ihren Begabungen zu fördern.

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Lieber Herr Lehnartz,

mit großem Vergnügen habe ich heute Ihren Artikel „Neue Träume braucht das Land“ in der Sonntagsausgabe der WELT gelesen. Ja, Sie haben Recht: Es fehlt an „beschwingten“ Visionen, die uns nicht in die Klapsmühle engstirnig Verwöhnter und Verwirrter bringen, sondern in eine Zukunft weltgewohnter Realisten und Anpacker. Aber: Bei allem treffenden Wortwitz Ihres Textes, wen meinen Sie, wenn sie von „Deutschland“ sprechen? Das gemütlich eingerichtete Bürgertum, mit seinen Träumen von einer Welt, die es nie gab? Oder Start up Szenen, die sich fast ebenso gemütlich in ihren jeweiligen Echoräumen überteuerter Stadtquartiere einrichten? Oder sprechen Sie auch von Menschen, die in dieses Land kommen und deren Träume und Visionen jeden Tag neu gegen die Bilder von Krieg und Zerstörung erfunden werden müssen? Die dafür so viel Schwung und Energie mitbringen, dass unsere Bürokratie sie erst einmal bis zur Unkenntlichkeit und eigenen Erschöpfung ausbremsen muss – ansonsten die zumeist jungen Menschen uns ja vormachen könnten, was es heißt, schnell zu lernen, gleichzeitig in widrigen Verhältnissen zu leben und für bessere zu kämpfen, bescheiden und anspruchsvoll zu sein, eben Zukunft zu bauen.

Mein Privileg ist es, täglich mit solchen Menschen zusammen zu sein, zu erfahren, was in Syrien, dem Irak, Afghanistan, aber auch Brasilien, Frankreich, Polen, Russland gedacht wird. Mein Privileg ist es auch, im geschützten Raum unseres Institutes mit ihnen Konzepte erfinden zu dürfen, wie das Deutschland der Gegenwart aussehen könnte und in der Zukunft aussehen müsste, wenn es so stark bleiben will, wie es heute zu sein scheint; denn eigentlich – so unser Eindruck – leben wir doch längst eher von den Mythen einer Bildungsrepublik, einer Aufbaunation.

Der Echoraum unserer Diskussionen ist vielsprachig, vieldeutig, anstrengend, voller Unwissenheit und (Vor)-Urteile, voller Umsicht und Vorsicht, aber so ist das Leben eben, das wirkliche, nicht das weichgespülte.

Da wäre es doch so normal, so selbstverständlich: Ich frage mich, warum diese Menschen niemand fragt, obwohl sie hier und in ihren Herkunftsländern absehbar die Märkte mitbestimmen werden. Viele werden dort Vordenker sein, die mit der Auslandserfahrung. Autos übrigens spielen immer wieder eine ganz große Rolle, aber nicht als Wirtschaftsgut, das sich an der Börse bewähren muss, sondern als Objekt der Leidenschaft auf vier Rädern. Als Symbol für Wohlstand und Freiheit und die schiere Lust am Tüfteln. Wäre dies nicht ein guter Antrieb? Und muss wirklich jede und jeder ein deutsches Abitur und ein deutsches Studium nachweisen, um mitmachen zu dürfen?

„Neue Träume braucht das Land“, ja, aber lassen wir dann doch auch die Zugewanderten mitträumen – dies ist nicht nur die nützliche Pflicht eines Global Players, sondern macht echt Freude, ich kann es Ihnen versichern! Und dann kommt auch noch ein ganz anderer Begriff in die Debatte, der mir auch in Ihrem Artikel fehlte und doch die Währung ist für alles Neue, dessen Folgen wir nicht bis ins Letzte beschreiben und berechnen können: Vertrauen!

Denn ohne Vertrauen wird’s auch keine neuen Träume geben, wetten, Herrn Lehnartz?

Barbara Seibert
Institutsleiterin Elbinstitut Hamburg