"Gibt es Tomaten in Eritrea?"

Fotos folgen nach Freigabe

Und was ist mit Cola in Afghanistan?

Solche und weitere lebensnahe Fragen brannten dreizehn Schülerinnen und Schülern der Projektgruppe "Flucht und Vertreibung" der Grünauer Gesamtschule in Berlin unter den Nägeln. Eine Delegation des Elbinstituts aus Hamburg stand drei Stunden lang Rede und Antwort, um das bisher in der Projektwoche theoretisch Erarbeitete in direkten Gesprächen mit Leben zu füllen. So wurde mit Kartenmaterial nicht nur geklärt, wo Eritrea überhaupt liegt und was dort wächst, sondern auch eindrücklich die Erfahrung von Flucht vermittelt.

Dabei beeindruckten die Schülerinnen Arefa und Waed mit ihrer Offenheit in den Erzählungen über wochenlange Wege aus Afghanistan und Syrien über Berge und Meer, in LKWs, Schlauchbooten und zu Fuß. "Unvorstellbar", so die Reaktion vieler Schüler. Auch dass viele Menschen Zwischenstationen auf ihrem Weg machten oder machen mussten – wie Tewelde, der sieben Monate im Sudan verbrachte, bevor es weiter Richtung Europa ging – war etwas bis dahin Ungehörtes. 

Fragen ganz pragmatischer Art ergaben sich aus der Unterhaltung über Hobbys. Störe das Kopftuch denn gar nicht beim Schwimmen? Mit dem Hinweis auf Frauen-Schwimmtage ergab sich dann sogleich ein Aha-Erlebnis: Das Kopftuch wird also getragen, um die Haare vor Männern zu verbergen!

Es verblieb nicht bei einseitigen Interviews, sondern auch die Schüler*innen der Projektgruppe erzählten – vom "ganz normalen Leben" in Deutschland. So versuchten sie Nairoz, die Haustieren eher skeptisch gegenübersteht, mit Fotos der eigenen Lieblinge vom Gegenteil zu überzeugen. Die Begeisterung für Motorräder wurde von Hakim zwar geteilt, dennoch sorgte er für so manchen Unglauben: In Afghanistan fährt man einfach so, ohne Führerschein?! Da warte man in Deutschland doch lieber, bis man alt genug sei und die Prüfung bestanden habe.

Stets ging es auch um Zugehörigkeit und Heimweh, wenn gefragt wurde: Würdest du bei Frieden in dein Land zurückkehren? Eine schwierige Frage, denn das Vermissen der Heimat, der Familie und Freunde teilten alle Gesprächspartner*innen. Doch nach dem Verlust des bisherigen Lebens und den Strapazen der Flucht sind sie dabei, mit viel Energie und Entschlossenheit ein neues Leben aufzubauen. Dieses aufzugeben bedeutete einen weiteren Verlust, so Nairoz. Und Waed stellte klar: "Ich will meinen Abschluss in Deutschland machen und auf keinen Fall noch mehr Zeit verlieren!"

Bei allen Unterschieden und Uneinigkeit, etwa darüber, ob Lernen und Hilfe im Haushalt als Hobby gilt oder nicht, herrschte letztlich Einigkeit darüber, dass jeder friedlich leben können sollte und dass gemeinsames Zusammenleben möglich ist, wenn man sich kennenlernt und respektiert. "Wichtig ist, ein gütiges Herz zu haben", brachte es Arefa auf den Punkt. (LW)