Glokaler Ort Elbinstitut

Thema "Sicherheit"

Hilâl Alataş, türkische Herkunft/Hamburg. Jurastudentin. // Sergej Beskrownych, kasachische Herkunft/Hamburg. Dozent für Mathematik und Physik; Student der Elektro Ingenieurwissenschaften // Katja Biele (am 05.02. kurzfristig verhindert), Projektleiterin Partnerschaften für Demokratie und Vielfalt Altona im Bezirksamt Hamburg Altona // Monika Brakhage, Abteilungsleiterin Fachamt Sozialraummanagement im Bezirksamt Hamburg Altona // Wolfgang Brand, Vizepräsident der Polizei Hamburg // Felix Hampel, Berlin. Kulturwissenschaftler/Philosoph. Freiberuflich im Bereich Ausstellungsmanagement // Peter Hoffmann, Fachbereichsleiter Jugendamt im Bezirksamt Hamburg Altona // Evan Mangan, US-amerikanische Herkunft/Hamburg. Maschinenbauingenieur und Native Dozent Englisch (zeitweise) // Dr. Liane Melzer (kurzfristig am 05.02. verhindert), Bezirksamtsleiterin Hamburg Altona // Christoph Meyring, Germanist, Abteilungsleiter Unterricht Elbinstitut // Adelina Michalk, Fachkraft für Integration im Fachamt Sozialraummanagement im Bezirksamt Hamburg Altona // Arefa Nawabi, afghanische Herkunft/Hamburg, Schülerin am Gymnasium // Andreas Nieberding, Polizist, Leiter Polizeikommissariat 21 // Dirk Noetzel, Polizist, Leiter Polizeikommissariat 25 // Ulrich von Oertzen, Leiter der Finanzabteilung Beiersdorf AG a.D. // Tewelde Okbe, eritreische Herkunft/Hamburg. Studierter Agrartechniker Bundesfreiwilligendienstleistender Elbinstitut // Andrea Rehme, Geografin, Projektkoordinatorin Elbinstitut // Martin Roehl, Pressesprecher des Bezirksamts Altona // Barbara Seibert, Geografin, Leitung Elbinstitut Hamburg // Karim Seyedi, iranische Herkunft/Hamburg. Auszubildender zum Veranstaltungstechniker // Ravinder Singh, indische Herkunft/Hamburg. Lehramtsstudent Englisch und Geschichte // Tanja Sommer, Hairstylistin // Carsten Storm, Bürgernaher Beamter, Polizeikommissariat 25 // Ralph Voß, Leiter Landeskriminalamt Region Altona // Lisa Winkler, Politik-/Medienwissenschaftlerin, Persönliche Referentin der Institutsleitung // Derya Yildirim, Einstellungsstelle Akademie der Polizei Hamburg // Timo Zill, Pressesprecher der Polizei Hamburg

 

Moderation: Barbara Seibert

 

 

Am 5. Februar 2018 fand im Elbinstitut Hamburg ein „Glokaler Tisch“ als Auftaktveranstaltung für die folgenden Projektmonate im Stadtteil Altona statt.

Schon der Tisch ist ein Hingucker: Weil nirgendwo ein Runder Tisch für 24 Personen zu mieten oder zu kaufen war, wurde nach ausführlichen Recherchen, Vorgesprächen und Preisverhandlungen schließlich die Holzwerkstatt in Henstedt-Ulzburg mit der Herstellung eines Tisches beauftragt - deren Vorschlag für eine stabile, gleichwohl einfach montierbare Ausführung mit 12 Flügeln hatte am meisten überzeugt. Mit diesem Tisch wird das Team des Elbinstituts nun bis Ende 2019 bundesweit zu Glokalen Orten auf Reisen gehen und bereits jetzt ist das von den Teilnehmern des ersten regionalen Glokalen Tisches bewunderte Werkstück gut behütetes Symbol für das ganze Vorhaben.

In ihrer Debatte nun unterschieden die Akteure in tatsächliche Sicherheit als Ausdruck des Zustandes eines Gemeinwesens, und die gefühlte Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger in ihren persönlichen Ausprägungen. Außerdem: Die hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Tatsächliche Sicherheit kann durch Gesetze und staatliche Infrastrukturen mit wirksamer Polizei beeinflusst werden: Ihr Grad ist messbar in Zahlen und so hatte der Vizepräsident der Polizei Hamburg, Wolfgang Brand,  die brandneue Kriminalstatistik auch gleich mitgebracht – sie zeige „insgesamt einen erfreulichen Rückgang der Taten“.

Daneben und auch davon unabhängig wirken auf den Grad gefühlter Sicherheit von Menschen persönliche (alltags-)biografische Faktoren und Erlebnisse und dies kann schon bei alltäglichem Ärger beginnen, wie einem falsch geparkten Auto. Auch höchstpersönliche Sensibilitäten können den Grad gefühlter Sicherheit beeinflussen: Durch Platzangst, Raumnot, Depressionen oder auch durch Dritte transportierte Informationen zum Beispiel können sich schon kleinste Anlässe zu großen persönlichen Katastrophen entwickeln.

„Wir möchten wissen, wie es den Bürgern nach der Einwanderungsphase jetzt geht“, hatte Monika Brakhage, Abteilungsleiterin im Bezirksamt Hamburg Altona in den Vorgesprächen zu diesem „Glokalen Tisch“ gesagt. So eröffnete denn Institutsleiterin Barbara Seibert die Veranstaltung mit dem Satz „Alles beginnt zu Hause“ und ergänzt: „Dieses Zuhause hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt; noch vor etwa 25 Jahren kannten wir die Gesichter, die Moden, die Religionen der Menschen– heute aber findet die Welt vor unseren Haustüren statt, Lokales und Globales gehören zusammen: Die Überschrift unserer Zeit heißt Glokalisierung.

In großer Runde am Tisch und drei Arbeitsgruppen diskutierten die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann vielstimmig über Themen der glokalen Gesellschaft und erarbeiteten Vorschläge, wie Beiträge für das Thema Sicherheit in der öffentlichen Debatte aussehen könnten. Gemeinsam verabschiedet wurde anschließend ein „aufsuchendes Format“, wie Teilnehmerin Adelina Michalk sagte – alle waren sich einig darin, dass angesichts einer Vielzahl vorhandener Foren im Stadtteil nicht ein weiteres hinzugefügt werden soll; vielmehr möchte die Runde in je kleiner glokaler Besetzung das Angebot machen, bei Interesse das Thema Sicherheit zum Beispiel in (vor-)politischen Gremien, an Elternabenden oder Vorstandsrunden, zu diskutieren.

Das Team des Elbinstituts wird auf Basis des glokalen Dialoges nun ein Programm zusammenstellen. Grundlage ist stets das Zusammenspiel von Einheimischen und Zuwanderern und ihren Nachkommen, um die Gesellschaft abzubilden, wie sie ist, denn: „Auf dieser realen Basis können wir uns wechselseitig darüber informieren, was andere denken und fühlen, Stereotypen und Vorurteile durch selbst gewonnene Erkenntnisse ersetzen“, so Barbara Seibert und sie stellt fest, dass es auch an diesem Glokalen Tisch wieder die ein oder andere Überraschung gegeben hatte: Für eine sorgte die angehende Juristin und bekennende Muslima Hilâl Alataş mit ihrer Frage beim Lunch, wie oft man denn schon so direkt mit einer Muslima gesprochen habe? Weniger als meine Finger an einer Hand, so ein Teilnehmer und dies zeigt vor allem eines: erfreulich viel Potential für neue Erkenntnisse in Gesprächen interessanter glokaler Runden.

Barbara Seibert