Glokaler Ort Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg e.V.

Thema "Zuhause in Hamburg"



Dr. Moshe Navon, Landesrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg // Dr. Ursula Büttner, Professorin em. Universität Hamburg, Forschungsstelle für Zeitgeschichte // Dr. Thomas Hoppe, Universitätsprofessor Helmut Schmidt Universität, Lehrstuhlinhaber für Katholische Theologie // N.N., Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg // Galina Jarkova, Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg, Mitglied des Vorstands // Ibragim Khadzhimuratov, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, Lehrer in Tschetschenien // Ulrike Krogmann, Initiative Playback Theater // Hakim Mahmoudi, Elbinstitut Hamburg, Bundesfreiwilligendienstleistender, Abendschüler // Christoph Meyring, Elbinstitut Hamburg, Abteilungsleiter Unterricht, Sprachwissenschaftler // Nasima Naseri, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, Schneiderin und Designerin // Arefa Nawabi, Fellow am Elbinstitut Hamburg, Schülerin am Gymnasium Hochrad // Lale Nuri, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, aus Afghanistan // Gamila Refaie, Elbinstitut Hamburg, Bundesfreiwilligendienstleistende, Abiturientin // Andrea Rehme, Elbinstitut Hamburg, Projektkoordinatorin Glokale Orte, Geographin // Ali Saboon, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, Mathematiklehrer in Afghanistan, BBA // Zainab Sabat, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, aus Afghanistan // Mohammed Saidi, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, Handwerker in Afghanistan // Shirhossein Sharifi, Orientierungskurs Elbinstitut Hamburg, Schneider im Iran // Ulrich von Oertzen, Leitung der Finanzabteilung a.D. Beiersdorf AG // Lisa Winkler, Elbinstitut Hamburg, Persönliche Referentin von Barbara Seibert, Medien- und Politikwissenschaftlerin 

Moderation: Barbara Seibert

 

„Zuhause in Hamburg“

Eine glokale Kooperation zwischen dem Elbinstitut und der Liberalen Jüdischen Gemeinde zu Hamburg.

Am 3. September 2018 fand gemeinsam mit Landesrabbiner Herrn Dr. Moshe Navon, dem Mitglied des Vorstandes Galina Jarkova und weiteren Vertreter*innen der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hamburg ein erster „Glokaler Tisch“ statt. Eingeladen hatte das Elbinstitut, und insgesamt 21 Teilnehmer*innen in glokaler Besetzung waren gekommen: Neben Freunden der Gemeinde war dies vor allem ein sorgfältig geladener Kreis von Fellows des Instituts, überwiegend aus Afghanistan und dem Iran. Die Runde komplettierten Vereinsmitglied und Manager a. D. der Beiersdorf AG, Ulrich von Oertzen, und das Institutsteam.

In einem gemeinsamen Vorgespräch war das Thema „Zuhause in Hamburg“ verabredet worden. Und so bat denn Initiatorin und Moderatorin Barbara Seibert ihre Gäste gleich in der Vorstellungsrunde um Erläuterungen, was sie denn unter dieser Überschrift vom heutigen Treffen erwarteten: „Einen Weg zu finden, von der Theorie in die Praxis zu gehen; denn an Theorie mangelt es uns wahrlich nicht, es hapert aber an der Praxis“, so eine fast mahnende Äußerung; einen Beitrag zu leisten, „die Wirkung der NS-Zeit zu überwinden, damit die jüdische Kultur heimisch werden kann“, ein weiterer. „Aus der vormaligen Glanzzeit der Gemeinde zu berichten“ und überhaupt „Geschichten über Menschen zu erzählen“, dies war ein großes Anliegen vor allem von Dr. Navon. Er hatte das Buch „Bananas Are Not Boomerangs“ von Mathel Gottlieb-Drucker mitgebracht und reichte es der Runde zur Ansicht; Menschen, wie dort beschrieben, sollten zu Wort kommen in diesem Projekt, dessen Ergebnisse in einigen Monaten im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden sollen.

In weiteren, zum Teil sehr persönlichen Äußerungen vieler Fellows der Runde berichtete ein gebürtiger Iraner von Anfeindungen seines Landes gegenüber dem Staat Israel und den Juden, mit denen er im Iran konfrontiert gewesen war. In Deutschland besuchte er dann die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und änderte seine Meinung grundlegend. Heute, so meinte er, „kann die ganze Welt meine Heimat sein, wo die Menschen nett sind, es keinen Krieg und keinen Hass gibt“.

In anschließenden Gesprächsgruppen wurden die Themen weiter vertieft: „Meine Wohnung brauche ich als persönlichen Ort, die Synagoge als Treffpunkt für die Gemeinde“, so der Landesrabbiner, und eine Teilnehmerin ergänzte: „Die Synagoge muss sichtbar sein.“ Einen Ausflug in die Sprachwelt zeigte Theaterexpertin Ulrike Krogmann auf und machte damit auch gleich einen wichtigen Punkt für die geplante Ausstellung: „Sprache muss ansprechen.“

Schon bei diesem ersten „Glokalen Tisch“ wurden in vier Gesprächsgruppen zahlreiche Themen der durch das Elbinstitut zur Auswahl gestellten angesprochen und anschließend im Plenum vorgestellt.

Insgesamt äußerten sich die Gäste beeindruckt vom Interesse der jungen Teilnehmer*innen. „Wann entstand der Antisemitismus?“, „Waren die Juden in Hamburg zu Hause?“ und „Gibt es Gegnerschaften im Judentum vergleichbar zu denen im Islam?“ waren nur einige der Fragen an die Historikerin Professorin em. Dr. Ursula Büttner und den Sozialwissenschaftler Dr. Thomas Hoppe.

Am Ende dieses Glokalen Tisches stimmte die gesamte Runde einer Fortsetzung des gemeinsamen Projektes zu und verabredete auch gleich den nächsten gemeinsamen Gesprächstermin.  

„Zuhause in Hamburg“ wird voraussichtlich im Juli 2019 abgeschlossen sein. (BS)