Glokaler Tisch "Think Tank"


Die Arbeit an einem anspruchsvollen
Projekt gleicht der eines guten Orchesters
an einer anspruchsvollen Komposition:
Stets geht es um die Entwicklung der
bestmöglichen Ausführung zwischen dem
gemeinsam verabredeten Ziel und den
individuellen Vorstellungen der
einzelnen Mitspieler.


Am 18. und 19. November 2017 fand in Potsdam der erste Think Tank als Auftaktveranstaltung der Gokalen Orte statt.

Vom Polizeivizepräsidenten und dem CEO einer international tätigen Bank, vom Spitzenanwalt und dem Sozialmanager über den Publizisten, Wissenschaftler, Auszubildende, der Hairstylistin bis zum ehemaligen Studenten der Agrarwissenschaften aus Eritrea und der 15-jährigen Schülerin aus Afghanistan – die 23 saßen 23 Stunden am Runden Tisch, um gemeinsam über das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft zu debattieren und einen konkreten Plan für bundesweite „Glokale Orte“ der nächsten acht Monate zu verabschieden. 

Und so gleichwertig sich die Stimmen da am Runden Tisch versammelten, so unterschiedlich erlebten die Einzelnen die Diskussion: Der eine staunte über die Intelligenz der beiden muslimischen Frauen mit Kopftuch, andere konnten die abweisende Haltung von Mitschülern der jungen Afghanin gegenüber nicht nachvollziehen: Das Thema „Rassismus“ führte zu einem temperamentvollen Austausch einer Vielzahl von Argumenten, die während des anschließenden Dinners bei Kerzenlicht in zum Teil sehr persönliche Gespräche mündeten.

Und das „Glokale“? Es war von Anfang bis Ende gleichzeitig Thema und unmittelbare Umgebung und ständig präsent. Es war der gemeinsame Echoraum: impulsiv und erstaunlich, bitter und notwendig, irritierend und verstörend, informativ und freudig und vor allem: intensiv.

Dieses Wochenende zeigte eindrucksvoll, dass das glokale Zusammenspiel funktionieren kann − trotz aller verschiedener Erwartungshaltungen, Sorgen, Ängste und kleiner sprachlicher Hürden.  

Und wer vor allem daran noch Zweifel hat, könnte vielleicht einem Satz lauschen, den der eritreische Mitspieler einige Tage später äußerte: „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben nicht erlebt. Wir waren so gleich, und ich war so glücklich.“

Barbara Seibert